Traditionelle Rollenbilder: Wie wir zwischen Erwartung und Selbstverwirklichung unseren eigenen Weg finden!

Traditionelle Rollenbilder: Wie wir zwischen Erwartung und Selbstverwirklichung unseren eigenen Weg finden!

Von Benno Siegrist


Traditionelle Rollenbilder - Hast Du Dich schon einmal gefragt, ob Du wirklich Dein Leben lebst – oder ob Du vielmehr eine Rolle spielst, die von Dir erwartet wird?

Vielleicht kennst Du das: Als Frau wirst Du oft automatisch in die fürsorgliche, verständnisvolle und familienorientierte Rolle gedrängt. Das sogar unabhängig davon, ob Du gerade dabei bist, beruflich durchzustarten oder ob Du Dich bewusst gegen Kinder entschieden hast. Gleichzeitig erwarten viele, dass Du stets freundlich bleibst, die Bedürfnisse anderer im Blick hast und Dich im Zweifel lieber zurücknimmst. Und wenn Du doch Karriere machst, kommt oft die nächste Frage: „Aber wie willst Du das denn mit Kindern vereinbaren?“

Oder Du bist ein Mann, der den Anspruch spürt, immer stark, zuverlässig und finanziell erfolgreich sein zu müssen. Und das selbst dann, wenn Du innerlich ausgelaugt bist oder Dir eigentlich wünschst, mehr Zeit mit Deiner Familie verbringen zu können. Vielleicht spürst Du den Druck, „funktionieren“ zu müssen – im Job, als Partner, als Vater. Gefühle? Bloß nicht zu viel davon zeigen. Schwäche? Auf gar keinen Fall.

Diese Beispiele sind keine Ausnahmen, sondern für viele Menschen Alltag. Trotz aller gesellschaftlichen Entwicklungen und Gleichstellungsbemühungen leben wir in einer Welt, in der traditionelle Rollenbilder noch immer wirksam sind – mal laut, mal ganz leise im Hintergrund. Sie beeinflussen unser Selbstbild, unsere Entscheidungen, unsere Beziehungen – und oft auch unser Glücksempfinden.

In diesem Artikel geht es darum, wie Du Dich zwischen den Erwartungen der Gesellschaft* und Deinem Wunsch nach Selbstverwirklichung orientieren kannst. Es geht um Dich – darum, wie Du mit den Rollenerwartungen umgehen kannst, ohne Dich selbst zu verlieren. Du erfährst, warum diese alten Muster so hartnäckig sind, was sie in Deinem Leben bewirken können – und vor allem, wie Du neue Wege findest, die mehr zu Dir selbst passen.

Denn Du bist nicht allein mit diesen Fragen – aber Du kannst Deinen ganz eigenen Weg finden. Und dieser Weg beginnt genau hier.

Was genau sind traditionelle Rollenbilder?

Traditionelle Rollenbilder beruhen auf jahrhundertealten Vorstellungen darüber, welche Aufgaben und Verhaltensweisen Frauen und Männer in einer Gesellschaft übernehmen sollen.

Für Männer bedeutet das oft: Sei stark, sei erfolgreich, übernehme Verantwortung, sei finanziell unabhängig – und vor allem: Zeige keine Schwäche.

Für Frauen heißt es: Sei einfühlsam, kümmere Dich um andere, stelle Familie über Beruf – und halte Dich eher im Hintergrund.

Diese Geschlechterrollen werden nicht nur in der Familie weitergegeben, sondern auch durch Medien, Werbung, Schule und Arbeitswelt ständig reproduziert. Auch wenn sich das Rollenverständnis in den letzten Jahrzehnten gewandelt hat, bleiben viele dieser Muster bestehen – oft unbewusst und subtil.

Die unsichtbare Last: Herausforderungen für Frauen und Männer

Für Frauen:

Viele Frauen erleben heute einen inneren Konflikt: Einerseits wollen sie beruflich erfolgreich sein, ihre Talente nutzen, finanziell unabhängig sein. Andererseits wird von ihnen erwartet, dass sie sich um Kinder, Haushalt und ein emotional ausgewogenes Familienleben kümmern.

Das zeigt sich auch darin, dass Frauen nach wie vor häufiger in Teilzeit arbeiten, um Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen – oft mit Nachteilen für die Karriereentwicklung und Altersvorsorge. Die sogenannte „Doppelbelastung“ ist Realität und führt meist zu Erschöpfung, Schuldgefühlen oder dem Gefühl, in beiden Rollen nicht genug zu sein.

Für Männer:

Auch Männer stehen unter erheblichem Druck: Sie sollen in ihrer Rolle als "Ernährer" funktionieren, beruflich erfolgreich sein und gleichzeitig ein moderner, sensibler Vater oder Partner sein. Viele Männer tun sich schwer, über Gefühle zu sprechen oder Schwäche zu zeigen – weil es ihnen nie beigebracht wurde oder weil sie Angst haben, als „unmännlich“ zu gelten.

Studien zeigen, dass Männer seltener Hilfe bei psychischen Belastungen suchen, was u.a. das Risiko für Burnout oder Depression erhöht.

10 Wege, wie Du Deinen eigenen Weg finden kannst

1. Reflektiere Deine eigenen Wünsche

Nimm Dir Zeit, um ehrlich zu hinterfragen: Was willst Du wirklich – jenseits dessen, was andere von Dir erwarten? Was sind Deine persönlichen Werte, Ziele und Wünsche? Diese Reflexion ist der erste Schritt, um Dich aus vorgegebenen Rollen zu befreien.

2. Sprich offen mit Deinem Umfeld

Oft bilden wir uns nur ein, die tatsächlichen Erwartungen der anderen zu kennen – ohne je darüber zu sprechen. Indem Du aber offen mit Deinem Partner, Deiner Familie oder Deinen Freunden über Deine Gefühle und Bedürfnisse sprichst, kannst Du Klarheit schaffen und Unterstützung finden.

3. Setze klare Prioritäten

Du kannst nicht allen Rollen gleichzeitig gerecht werden. Entscheide bewusst, was Dir in Deiner aktuellen Lebensphase am wichtigsten ist. Das kann sich auch im Laufe der Zeit verändern – und das ist völlig okay.

4. Suche dir Vorbilder

Orientiere Dich an Menschen, die einen alternativen Weg gehen: Väter, die Elternzeit nehmen. Frauen in Führungspositionen mit Kindern. Paare, die sich Aufgaben gleichberechtigt teilen. Solche Vorbilder zeigen, dass es möglich ist, Rollen neu zu definieren.

5. Akzeptiere Deine Unvollkommenheit

Du musst nicht perfekt sein. Niemand kann alles gleichzeitig schaffen – weder die ideale Mutter noch der unerschütterliche Vater. Indem Du Deine eigenen Grenzen anerkennst, wirst Du freier und liebevoller mit Dir selbst umgehen.

6. Lerne, Nein zu sagen

Wenn Dich Erwartungen überfordern, darfst Du Dich abgrenzen. „Nein“ zu sagen bedeutet nicht, egoistisch zu sein – sondern Deine Energie sinnvoll einzusetzen und Dich selbst zu schützen.

7. Gestalte Gleichberechtigung aktiv

Teile Aufgaben im Haushalt und in der Familie fair auf. Sprich offen mit Deinem Partner darüber, wie eine gerechte Geschlechterverteilung aussehen kann. Es geht nicht darum, alles gleich zu machen – sondern fair.

8. Hole Dir Wissen und Impulse

Informiere Dich über die Hintergründe von Rollenerwartungen, Geschlechterverteilung und Gleichberechtigung. Bücher, Podcasts, Artikel oder Workshops können Dir neue Perspektiven eröffnen und helfen, Muster zu erkennen.

9. Fördere Deine Selbstwirksamkeit

Frage Dich regelmäßig: Was habe ich heute selbst entschieden? Was war meine freie Wahl? Indem Du bewusste Entscheidungen triffst, stärkst Du Dein Gefühl von Selbstbestimmung*.

10. Sei geduldig mit Dir selbst

Es braucht Zeit, sich aus alten Mustern zu lösen. Jeder Schritt – so klein er auch scheint – ist ein Fortschritt. Vergleiche Dich nicht mit anderen, sondern feiere Deine Entwicklung in Deinem Tempo.

Abschließende Gedanken zum Thema Traditionelle Rollenbilder

Traditionelle Rollenbilder sind tief in unserer Gesellschaft verankert. Sie prägen unsere Vorstellungen davon, was „normal“, „erwünscht“ oder „angemessen“ ist – oft, ohne dass wir es bewusst merken. Doch so sehr diese Muster auch ein Gefühl von Sicherheit und Orientierung bieten mögen, sie können gleichzeitig auch blockieren, verunsichern und zu inneren Konflikten führen.

Ob als Frau mit Karrierewunsch und Kinderwunsch oder als Mann, der sich zwischen beruflichem Erfolgsdruck und dem Wunsch nach emotionaler Nähe und Präsenz in der Familie aufreibt – der Druck, bestimmten Rollen zu entsprechen, ist real. Er ist subtil, aber tiefgreifend. Und er kann auf Dauer dazu führen, dass Du Dich selbst und Deine Bedürfnisse aus den Augen verlierst.

Doch genau hier liegt die Chance: Nämlich in der bewussten Auseinandersetzung mit diesen traditionellen Rollenbildern. Indem Du beginnst, Dich zu fragen, was Du wirklich willst – nicht was von Dir erwartet wird –, gehst Du den ersten Schritt in Richtung eines selbstbestimmten Lebens. Du musst Dich dabei nicht radikal gegen alles stellen. Es geht nicht um Rebellion, sondern um Klarheit, Selbstreflexion und den Mut, Entscheidungen zu treffen, die wirklich Deiner Persönlichkeit entsprechen.

Es ist okay, traditionelle Werte zu leben, wenn sie tatsächlich zu Dir passen. Und es ist genauso okay, diese Muster zu hinterfragen und neu zu gestalten. Denn am Ende geht es nicht darum, in eine Rolle zu passen, sondern in Dein eigenes Leben.

Du darfst Schwächen zeigen, Du darfst Wünsche äußern, Du darfst gegen den Strom schwimmen. Du darfst „nein“ sagen zu Erwartungen, die Dich einengen. Und vor allem: Du darfst Dir erlauben, Deinen eigenen Weg zu finden. Nämlich einen, der Deine Persönlichkeit, Deine Lebensumstände und Deine Träume miteinander in Einklang bringt.

Denn Du bist nicht auf dieser Welt, um Erwartungen zu erfüllen. Du bist hier, um echt zu sein.

Korrespondierende Quellen:
- Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)
- Tagesschau: "Junge Männer und ihre Vorstellungen von Männlichkeit"
- Welt: „Das ist das Drama des modernen Mannes“
- Wikipedia: "Geschlechterrolle"
- Stadt Wien: "Rollenbilder in der Gesellschaft"

Zum Autor

Ausgebildet und geprägt durch intensive Jahrzehnte der Berufs- und Lebenserfahrung, kennt Benno Siegrist die verschiedensten Muster und Aspekte der menschlichen Persönlichkeit. In diversen Artikeln, Workshops und Kursen gibt er seine immens hilfreichen Kenntnisse und Erfahrungen an ein breites Publikum weiter.

Durch sein Wissen als zertifizierter Potentialentfaltungscoach (nach Prof. Gerald Hüther) finden dabei auch die Erkenntnisse der modernen Wissenschaft ihre Berücksichtigung.  Über uns...

Die neuesten Artikel:

Führungskompetenz entwickeln: Die Balance zwischen Verantwortung und persönlichem Wachstum finden!

Führungskompetenz entwickeln – Als Führungskraft oder Coach befindest Du Dich in einer besonderen Rolle. Du trägst nicht nur die Verantwortung für Deine eigenen Aufgaben, sondern auch für Menschen – sei es Dein Team, Deine Kunden oder Klienten. Dabei bist Du täglich mit den unterschiedlichsten Herausforderungen konfrontiert: Konflikte im Team, wechselnde Anforderungen durch den Markt, die

Read More

Leben ohne Konsum – Warum weniger wirklich mehr sein kann!

Leben ohne Konsum – In einer Welt, in der Konsum allgegenwärtig ist und oft als Schlüssel zu Glück und Erfolg dargestellt wird, wächst gleichzeitig das Bewusstsein für die Schattenseiten dieses Lebensstils. Viele Menschen spüren eine innere Unruhe, eine Leere, die sich trotz materiellen Überflusses nicht füllen lässt. Vielleicht bist auch Du jemand, der das Gefühl

Read More

Gelassenheit im Alltag: Wie Du zwischen Job, Kind und Chaos zur Ruhe findest!

Gelassenheit im Alltag – Der Wecker klingelt. Viel zu früh. Du springst auf, organisierst Frühstück, weckst ein müdes Kind, versuchst es zum Anziehen zu bewegen, während Du parallel in Gedanken schon das erste Meeting des Tages vorbereitest. Der Schulranzen ist noch nicht gepackt, der Joghurt landet auf dem T-Shirt, das Handy vibriert ununterbrochen – und

Read More

Leistungsdruck in Studium und Beruf: Strategien, die Dir wirklich helfen!

Leistungsdruck – Der Weg ins Erwachsenenleben ist aufregend, aber auch holprig. Du hast vielleicht gerade Dein Abitur gemacht, stehst am Anfang Deines Studiums oder trittst Deinen ersten Job an. Und plötzlich ist alles anders: neue Umgebung, mehr Verantwortung, neue Erwartungen – und mittendrin Du. Noch nicht ganz angekommen, aber schon mitten im Geschehen.Viele junge Erwachsene

Read More

Scheitern erlaubt! Warum echte Unternehmer Herausforderungen nicht fürchten, sondern mit ihnen wachsen!

Unternehmer Herausforderungen – Selbstständig zu sein oder ein Unternehmen zu führen bedeutet weit mehr, als nur eigene Ideen in die Welt zu bringen oder finanzielle Unabhängigkeit anzustreben. Es ist ein täglicher Balanceakt – zwischen Verantwortung und Freiheit, zwischen Kontrolle und Vertrauen, zwischen Vision und Realität. Unternehmer tragen eine besondere Last: Sie sind nicht nur für

Read More

Kreativer Lebensstil statt 08/15: So lebst Du, was Dich wirklich erfüllt!

Lebensstil – Stell Dir vor, Du wachst morgens auf und hast das Gefühl, Dein Leben gehört wirklich Dir. Keine To-do-Liste, die Dir fremdbestimmt wurde. Keine innere Stimme, die sagt, Du solltest etwas ganz anderes tun, um „vernünftig“ zu sein. Sondern ein Tag, der sich nach Dir anfühlt – mit Raum für Deine Gedanken, Deine Kreativität,

Read More

Immer komplett informiert mit unserem Newsletter.
Trage Dich jetzt ein!